Einmal ums Dorf

Die große Runde

Während meines Türkei-Aufenthalts versuche ich möglichst oft, die „große Runde“ zu gehen. Das bedeutet, einmal am Strand entlang bis nach „karaburun“, das Ende der Bucht. Vor den Hügeln geht die Straße dann links weiter und nach 15 Minuten biegt sie wieder links ab und ich gehe im Landesinneren zum Dorf zurück. Reine Gehzeit ca 1 ½ Stunden.

Als ich vor einigen Tagen die Runde drehte, kam mir dann anschließend in den Sinn, dass es schon erstaunlich ist, was ich bei so einer Runde alles erlebe.

Ich lief also die erste Strecke am Strand entlang und nach 10 Minuten kam ich an einer türkischen Familie vorbei, die im Schatten neben Sträuchern saßen, Tee gekocht hatten und Süßigkeiten dazu aßen. Am Wochenende kommen hier viele Türken zum Strand und schleppen Grill und alles mit.

Die Frau grüßte mich freundlich und als ich auf Türkisch zurück grüßte, wurde ich gleich gefragt, woher ich denn komme. Und im nächsten Atemzug wurde ich schon eingeladen, mich zu ihnen zu setzen oder zumindest etwas zu probieren. Ich war schon 2 Schritte weiter und hatte nach dem langen Arbeiten am PC einen großen Bewegungsdrang. Deshalb bedankte ich mich und lehnte ab – und ging weiter. Nachher habe ich mich über mich geärgert. Die 5 Minuten hätte ich ruhig aufbringen können, es war doch nett gemeint! Und wer weiß, was ich da Leckeres kennengelernt hätte. Auf jeden Fall nette Menschen.

Da war ich wohl wieder sehr deutsch gewesen, hatte um 19 Uhr noch einen Skype-Termin, daher fühlte ich mich schon wieder getrieben. Phhh.

Winken und Grüßen an jeder Ecke

Dann ein Stück über die Straße, da kam ein Transit vorbei – und kurzes Hupen und Winken. Ah, das war Hasan, der mich grüßte. Kurz drauf drehte er und kam winkend wieder vorbei. Er sammelte Touristen auf, die er wohl zum Flughafen fuhr.

An einer Biegung schaute ich nach einem Haus von Bekannten, die ich seit Jahren hier treffe (aber nur flüchtig kenne), die mir beschrieben hatten, wo ihr Haus ist. Da kam ein Paar mit Hund vorbei und der Mann fragte mich gleich, ob er mir helfen könne. Ja so und so, ich suche I. und W. Ja, die wohnen da vorne. Er ist Türke, seine Frau ist Irin. Sie hätten hier nur mal Urlaub machen wollen- und seien dann hier geblieben.

So hatte ich gleich wieder Einblick in eine Lebensgeschichte bekommen und treffe sie seitdem regelmäßig, was winken und grüßen zur Folge hat.

Auf dem Rückweg komme ich über die Straße an einem kleinen Cafe vorbei, wo ich schon letztes Jahr immer freundlich von Nezihe gegrüßt wurde. Dieses Jahr haben wir uns dann „kennengelernt“ und miteinander gesprochen und die Namen erfragt.

Diesmal lud sie mich spontan zu einem Tee ein – und sie hatte Schokoladenkuchen auf dem Tisch. Da konnte ich nicht nein sagen!

Ich gehe danach weiter, da kommt mir ein Auto entgegen und hält: Ah, meine beiden Bekannten, deren Haus ich gefunden hatte. Wir wechseln kurz einige Worte.

Wieder später kommt mir ein Pritschenwagen entgegen und blinkt. Keine Ahnung, wer das ist, das kann ich durch die Scheibe nicht erkennen, wird schon jemand sein, den ich kenne. Winke also zurück.

Kurz drauf kommt auch er zurück und kurbelt die Scheibe runter: „Na, Zamyat, du bist ja schon müde“ –meint Cemil auf Englisch. Ich hatte inzwischen einen gemütlicheren Gang eingelegt.

Von Ferne winkt mir Mevlüt schon zu, der vor seinem Haus sitzt. Ohne Gäste, dieses Jahr ist es hier überall total leer, selbst in solche beliebten Pensionen wie seinem Dostlar evi (Haus der Freunde). Ich winke nur zurück und gehe weiter, noch einen Tee am Abend will ich nicht. Dann schlafe ich abends nicht ein. Und ich habe immer noch Apfelsinen aus seinem Garten von meinem letzten Besuch hier. Er hatte mir angeboten, jederzeit wiederzukommen und einzusammeln, was unter den Bäumen liegt.

Im Dorf komme ich dann auch noch an einem weiteren kleinen Hotel vorbei, wo ich jederzeit in den Garten gehen und Tee trinken kann. Hier wohnen oft Freunde von mir und ein Mitarbeiter macht mit mir immer den Transfer zum Flughafen. Auch Bücher kann ich hier jederzeit holen, die Touristen da gelassen haben.

Drei Häuser weiter winkt Halil, der neu ein Restaurant eröffnet hat. Keine gute Zeit für solche Start ups, wo kaum Touristen kommen. Auch er würde mir jederzeit einen Tee spendieren, natürlich auch in der Hoffnung, dass ich dann auch mal wieder zum Essen vorbei komme. Doch auch ohne sauer zu sein, wenn ich es nicht mache und nur ein kurzes Schwätzchen mit ihm halte.

So könnte ich noch endlos weiter erzählen.

Freundliche Begegnungen

Was ich damit zeigen will: Alle paar Meter gibt es hier freundliche Begegnungen. Sei es mit Menschen, die ich kenne, da ich seit Jahren herkomme, sei es aber auch mit wildfremden Menschen, die einfach am Strand sitzen oder die ich auf der Straße treffe.

Ich erfahre den letzten Tratsch, wer jetzt wo was macht, sehe, wie schon wieder jemand etwas Neues eröffnet (wo ich mich nur über den Optimismus wundere – oder stecken sie vielmehr Kopf in den Sand??) und gehe oft genug mit Geschenken wie einen Rucksack voller Orangen nach Hause.

Das finde ich einfach total schön und ich fühle mich daher hier nach wie vor sicher und geborgen in dieser freundlichen Umgebung.

Cirali ist und bleibt für mich ein magischer Ort- mit ganz besonderen Begegnungen. Aber selbst bei so einer normalen Abendrunde passiert immer wieder etwas Nettes – wenn man die Augen und das Herz offen hält.